BarCamp Köln 2018: Codenames, Trauer und Hackathons

Du bist BarCamp. Tasse für Sessionanbieter beim BarCamp Köln 2018
Du bist BarCamp. Die Tasse gab es für Sessionanbieter beim BarCamp Köln 2018

Was haben das Gesellschaftsspiel Codenames, Trauerbewältigung und die Suche nach mehr weiblicher Beteiligung bei Hackathons gemeinsam? Sie alle können wie Yoga, Gagschreiben und WordPress Gutenberg Sessions bei einem themenoffenen BarCamp sein. So beim BarCamp Köln 2018, das natürlich mal wieder bei unseren Lieblings-Raumsponsor, der QSC AG, stattfand. Auch sonst war eigentlich fast alles wie die Jahre zuvor, sodass ich mich während der Vorstellungsrunde am ersten Tag fragte, ob tatsächlich seit dem letzten Mal ein ganzes Jahr vergangen sein soll. Schnell machte ich mir klar, dass seither mindestens zwei wesentliche Neuerungen in mein Leben eingezogen sind. Und die machten dann auch zwei Drittel meiner Interessen für das Wochenende aus: Nebst dem üblichen #WordPress waren es #Gutenberg und #catcontent (#meow). Um Katzen (und Hunde!) ging es aber nur fern der Sessions.

BarCamp Köln 2018 konnte auch still: Trauerbewältigung

Wenn rund 200 Menschen für zwei Tage zusammenkommen, wird es tendenziell eher laut und bunt. Dass aber auch still und schwarz ihre Berechtigung bei einem solchen Event haben, stellten wir in der Session Wie geht man mit Trauer um? klar. Sessionanbieterin Elisabeth war überhaupt zum BarCamp Köln 2018 gekommen, das ist ihr schon hoch anzurechnen. Denn eigentlich ist sie gerade in Trauer. Wie geht ihr mit Trauer um, wollte sie von der kleinen, aber sehr feinen Runde wissen, die sich zu ihr gesellt hatte.

Details des Gespräches möchte ich hier nun nicht ausplaudern. Vielmehr darauf aufmerksam machen, dass BarCamp eben so viel mehr sein kann, als man es sich gemeinhin vielleicht vorstellt. Dabei gehört es zum guten Ton, dass höchst private Informationen, die in einer Session ausgetauscht werden, dort auch bleiben. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Teilnehmer/innen aus einer solchen Runde vielleicht bereichert oder wenigstens entlastet hervorgehen können. Für Elisabeth war es der Begriff Zeit, den sie mitgenommen hat und der ihr hoffentlich bei ihrer Trauerbewältigung weiterhilft.

Mehr Mädchen und Frauen braucht der Hackathon

Mit seiner Session Was ist ein Hackathon? forderte Sebastian Niemann eine höhere Frauenquote für dieses Format, das dem Entwickeln von Softwareprodukten dient. Die gute Quote hatte er auf jeden Fall bei seinen 45 Minuten; ich erinnere mich nur an drei männliche Teilnehmer. Ob er allerdings mit seinem Hinweis auf die kulinarischen Vorzüge eines gut organisierten Hackathons ausgerechnet uns Frauen überzeugen konnte, wage ich zu bezweifeln. Wer seine Zielgruppe kennt, so betonte er, kredenzt reichlich Süßwaren und koffeinhaltige Getränke. Auf dass man einen guten Hackathon mit mindestens fünf Kilos mehr auf den Hüften verlässt. (Sorry, Sebastian, so wird das nichts mit den Frauen. Versprich uns, dass wir fünf Kilos verlieren. Trotz Schokolade. Das könnte klappen.)

Hackathons, so machte er uns deutlich, leben nicht nur von der regen Teilnahme kompetenter Programmierer. Vielmehr sei es notwendig, dass auch andere Kompetenzen zugegen seien. So vor allem Menschen, die im Bereich BWL unterwegs sind. Aber auch Journalist/innen, Texter/innen, Linguist/innen, Graphiker/innen seien gefragt, um binnen einer vorgegebenen Zeit ein vorgegebenes oder selbst erdachtes Projekt zu realisieren.

Das Barcamp Köln 2018 war bereits vorbei, da kam vor der Tür die Diskussion auf, ob die Namengebung  (Hackathon) glücklich gewählt sei. Diese Frage lässt sich natürlich bei vielem stellen. Welche Assoziationen weckt schon der Begriff BarCamp?! Bei Hackathon aber fühlt sich Frau, die nicht selbst programmiert, wahrscheinlich erst einmal gar nicht angesprochen. Hieße das Ganze Projectathon (oder so), sähe es vielleicht schon ganz anders aus.

Kreativität im Spiel: Mit Codenames Kategorien finden

Codenames beim BarCamp Köln 2018
Kommen schwer ins Schwitzen: Die Team-Captains bei Codenames

Den meisten Spaß hatte ich beim diesjährigen BarCamp Köln auf jeden Fall in den Sessions von Thomas Boley. Derer gab es wegen der großen Nachfrage gleich drei. Dreimal spielte er mit uns Codenames, zweimal war ich mit dabei.

Codenames ist ein Gesellschaftsspiel mit einer Geheimdienst-Hintergrundgeschichte, die aber eigentlich nicht wirklich wichtig ist. Wichtig ist bei dem Spiel, für 25 Begriffe Kategorien zu finden, die sie treffend beschreiben. Wobei nicht alle Begriffe für die beiden konkurrierenden Teams gelten. Die Kunst liegt für den jeweiligen Team-Captain also darin, die Kategorien so zu wählen, dass sie nur Begriffe beschreiben, die zum eigenen Team gehören. Und da nur die Captains diese Zuordnung kennen, liegt die volle Last auf ihren Schultern.

Nun ist das mit den Begriffen aber auch so eine Sache. Eine Dichtung kann, wenn Shakespeare in der Nähe liegt, eine ganz andere Bedeutung haben, als wenn man kategorial zum Beispiel im Sanitärbereich unterwegs ist. Unser Team hatte so seinen Spaß mit dem Toilettenreiniger als Kategorie und dem Begriff Würfel. Den Zusammenhang sah allerdings nur ein Teammitglied – und bereitete damit nicht nur unserem Team-Captain Kopfzerbrechen. Schön vor allem auch das Beispiel, das Thomas in seinem Nachklapp erwähnt: Saturn ist für manche doch mehr eine Geschäftskette in Sachen Elektronik denn ein Planet. Ein Stern ist der Saturn jedenfalls nicht.

Ich dachte sofort, Thomas habe das Spiel allein deshalb mitgebracht, weil es eine wunderbare Übung für das inhaltliche Arbeiten mit WordPress sein kann: Finde deine Kategorien! Offenbar war das aber gar nicht seine Intention. Und damit wieder nur ein Beleg dafür, dass wir uns alle unsere Wirklichkeit konstruieren. Ich sage nur: Toilettenreiniger. Würfel.

Ohne eigene Session zur »Du bes BarCamp« Tasse

Mein eigener Sessionvorschlag (ich wollte mal wieder Social Media Maler spielen) fiel wegen zu geringer Nachfrage aus. Aber auch das ist BarCamp: Da zeigen morgens so viele Interessierte auf, dass man sich einen möglichst großen Raum sucht. Und wenn es dann so weit ist, finden so viele interessante Sessions parallel statt, bei der die eigene nicht mithalten kann. Eine Tasse »Du bes BarCamp« (Kölsch für: Du bist BarCamp) gab es für mich wie für alle anderen Sessionanbieter trotzdem. Keine Arbeit, trotzdem Geld? Das gefällt! Ich werde die Tasse in Ehren halten.

Mehr Infos zum BarCamp Köln 2018 gibt es auf der Website der Veranstalter.


Beitragsbilder: Britta Kretschmer

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