Bye-bye Facebook: Warum meine Facebook Seite nicht mehr öffentlich ist

DSGVO. Diese fünf Buchstaben haben letztes Frühjahr irgendwie alles bestimmt. Dann trat vorübergehend Ruhe ein. Bis es Anfang Juni von Seiten des EuGH plötzlich hieß, dass Betreiber von Facebook Seiten zusammen mit dem Portalanbieter verantwortlich für den Datenschutz seien. Seither habe ich auf meiner Facebook Seite nichts mehr gepostet. Eine Art fauler Kompromiss, aber in Panik verfallen und die Seite direkt löschen wollte ich nicht. Doch nun habe ich bye-bye Facebook gesagt und dafür gesorgt, dass meine Facebook Seite nicht mehr öffentlich sichtbar ist. Grund dafür sind aber nicht nur die Anforderungen der Datenschützer.

Comic Bild zu: Bye-Bye Facebook. "Der Service hat irgendwie echt nachgelassen", sagt Katze Luz.

8 Fragen zur Facebook Seite

»Ohne Vereinbarung nach Art. 26 DSGVO ist der Betrieb einer Fanpage, wie sie derzeit von Facebook angeboten wird, rechtswidrig.« (Datenschutzkonferenz am 05.09.2018)

Den letzten Ausschlag für meine Entscheidung war allerdings doch der Beschluss der Datenschutzkonferenz. Die hat Anfang September die Facebook Fanpages für rechtswidrig erklärt und in ihrem Beschluss acht Fragen aufgelistet, die jeder Fanpage Betreiber beantworten können sollte. Diese Fragen sind nur leider dergestalt, dass es schon tieferes Studium der Zusammenhänge braucht, um die Fragen als solche überhaupt zu verstehen. Geschweige denn die passenden Antworten zu finden.

Facebook bietet Antworten

Nun hat Facebook überraschend schnell reagiert und das sogenannte Page Controller Addendum (»Seiten-Insights-Ergänzung bezüglich des Verantwortlichen«) veröffentlicht. Was aber lässt sich über diesen Text sagen – außer dass man ihn ob seiner 12px kleinen Schrift kaum lesen kann? Wer will den schon inhaltlich beurteilen?  Ich sicherlich nicht. Das überlasse ich Leuten, deren Geschäft es ist, sich mit Vertragstexten auseinanderzusetzen. Und da bin ich bei meiner Recherche mehrfach auf den Hinweis gestoßen, dass diese Ergänzung allein wohl nicht reicht. Zwar scheint sich Facebook in die richtige Richtung zu bewegen. Doch gestalte sich die Frage nach der Rechtsgrundlage für die Datenverarbeitung seitens des Facebook Seitenbetreibers nach wie vor als schwierig.

»Du solltest sicherstellen, dass du eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung von Insights-Daten gemäß DSGVO hast, den Verantwortlichen für die Verarbeitung der Seite benennst und jedwede sonstigen geltenden rechtlichen Pflichten erfüllst.« (Facebook Page Controller Addendum, Abfragedatum: 24.09.2018)

Siehe hierzu:

No risk no fun?

Nun könnte man sich weiterhin auf den Standpunkt stellen und sagen: »Was soll’s, wird schon nichts passieren. No risk no fun!« Immerhin ist ja auch in den letzten vier Monaten die ganz große Abmahnwelle ausgeblieben. Auch haben sich die Aufsichtsbehörden (noch?) zurückhaltend gezeigt. Doch mir will ein Hinweis nicht aus dem Kopf gehen, den ich von RA Dr. Schwenke bei allfacebook.de gelesen habe. Der hatte dort Anfang Juni, nachdem das EuGH Urteil gesprochen war, eine Rechnung aufgemacht. Und die besagte: Wenn Sie mit Ihrer Facebook Seite 5.000 Euro und mehr verdienen, lässt sich damit im Zweifel auch der Ärger bezahlen, der ob des Betreibens dieser Seite vielleicht eines Tages ins Haus zieht.

Verdienen Sie mit Ihrer Facebook Seite 5.000 Euro? Ich nicht. Das war allerdings nie wirklich mein Ziel. Mir ging es immer nur um Kommunikation. Das hat einst auch für kleine Facebook Seiten einigermaßen funktioniert. Doch mittlerweile bekommt kaum ein vermeintlicher Fan die Postings von Seiten zu sehen. Und da kommt der eigentliche Grund ins Spiel, weshalb ich mich nun dazu entschieden habe, bye-bye Facebook zu sagen und meine Facebook Seite nicht mehr öffentlich zu zeigen: Warum sollte ich irgendein Risiko eingehen für etwas, das mir nichts bringt?

Der Algorithmus, bei dem ich nicht mehr mit muss

Sagen wir, Ihre Facebook Seite hat 100 Fans. Wenn Sie nun etwas auf Ihrer Seite posten, heißt das aber nicht, dass auch alle dieser 100 Fans das Posting zu sehen bekommen. Das war noch nie so. Nur war die Verteilungsquote früher besser. In den letzten Jahren, vor allem aber seit Jahresbeginn, gestaltet es sich zunehmend schwieriger, überhaupt noch jemanden zu erreichen. Mit anderen Worten: Es braucht entweder für jedes einzelne Posting eine Werbeschalte – oder erheblich mehr Engagement auf der Plattform.

Nun soll die Entscheidung, Seiten kaum noch organische Reichweite zu gönnen, Facebook wieder zu dem zurückzuführen, womit es mal begonnen hat: als Plattform für die private Vernetzung. Oder die Entscheidung soll einfach nur dafür sorgen, dass Unternehmen mehr Geld in Werbung stecken. Wie auch immer. Von dem (vielleicht von jeher naiven) Bild, dass im Zentrum die eigene Website sitzt, während um diese herum Trabanten wie die Facebook Seite oder das Twitter Profil für weitere Aufmerksamkeit sorgen, habe ich mich schon längst verabschiedet. In meinen Augen ist es nur konsequent, sich von diesen Trabanten, die vielleicht auch noch teuren Ärger bringen, nun zu verabschieden.

Bye-bye Facebook

Also habe ich nun dafür gesorgt, dass meine Facebook Seite nicht mehr öffentlich sichtbar ist. Der letzte Schritt vor der letztendlichen Löschung.  Wobei es dann nochmal 14 Tage bräuchte, bis Facebook sie dauerhaft entfernt. Im gegebenen Zustand jedenfalls kann niemand mit dieser Seite interagieren. So wahnsinnig viele Menschen hat ohnehin nicht interessiert, was es dort zu lesen gab.

Bye-bye Facebook heißt es übrigens auch in Hinblick auf mein Facebook Kursangebot. Von dem Kursangebot für Unternehmen hatte ich mich schon vor zwei Jahren verabschiedet. Zukünftig wird es nun auch den verbliebenen Einsteigerkurs nicht mehr geben.

Und was ist mit Twitter?

Auch wenn ich als @KretschmerB längst nicht mehr so viel twittere wie früher, mag ich mich von Twitter noch nicht verabschieden. Vor allem bei Events wie BarCamps erweist sich dieses Tool immer wieder als gut und nützlich. Trotz all seiner in meinen Augen überflüssigen Anpassungen und Erweiterungen, die Twitter in den letzten Jahren erfahren hat.

Den Twitter Account von Internetkurse Köln mit dem lustigen Namen @internetkoeln gibt es also noch immer, obwohl ich ihn kaum nutze. Hingegen habe ich nun endlich Twitter-Accounts deaktiviert, die irgendwann mal für irgendwelche Projekte entstanden und dann in Vergessenheit geraten sind. Ein bisschen Herbstputz kann nicht schaden, zumal auch hier sich sicherlich irgendwann die Frage nach der Rechtsgrundlage auftun wird.


Beitragsbild: Britta Kretschmer

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