Darf ich bitten? – Barcamp Köln 2017

Gefühlt gerade eben erst hatten wir uns zur letztjährigen Unkonferenz begrüßt, da ist auch schon das Barcamp Köln 2017 wieder vorbei. Und was hat es gebracht? Ein Barcamp bringt immer genau das, was die einzelnen Teilnehmenden für sich daraus machen. Dabei braucht es wahrlich nicht viel, um die zwei Tage als Fest des Netzwerkens und der Themenoffenheit zelebrieren zu können.

Meine Themen dieses Jahr

Das Barcamp Köln 2017 war nun mein viertes in Folge. Und jedes Jahr wieder sage ich bei der Anmeldung, dass ich mich gerne auch mal für eine Stunde in den Empfangsbereich des Raumsponsors QSC AG setze, vorher aber erst einmal die Sessionplanung abwarten wolle. Doch der guten Absicht hatte ich nie Taten folgen lassen. Dieses Jahr wollte ich das definitiv ändern und trug mich also an beiden Tagen morgens direkt für den sogenannten Thekendienst ein.

Nicht, dass es mir direkt so ging, wie Veranstalter Stefan Evertz es in der Abschlusssession ausdrückte: Es seien schon Ehen entstanden nach gemeinsamem Thekendienst. Interessante Gespräche und lustige Begegnungen sind aber nahezu garantiert. Und nun, da ich zweimal Empfangsdame und zumindest einmal mit »PalimmPalimm« den nicht ganz so stillen Gong gespielt habe, kann auch ich diesen Dienst nur empfehlen.

Darüber hinaus besuchte ich Sessions zu den Themen

  • Static Sites
  • Stirbt Social Media?
  • Zeitmanagement: 70-20-10
  • Kommentarmoderation: Ist das okay oder muss das weg?
  • Programmieren für Einsteiger
  • SEO Onpage
  • SEO Technik
  • sowie das kleine Dance Camp

und möchte hier auf drei davon näher eingehen.

Ist das okay oder muss das weg?

In ihrer Session am Samstagnachmittag zeigten uns Christine Badke und Kendra Stenzel vom Kölner Stadtanzeiger Kommentare und stellten uns vor die Entscheidung: Ist das okay oder muss das weg? Dabei reichten sie uns die Kommentare kontextfrei dar. Wir wussten also weder, auf welchen Artikel sie sich bezogen, noch von wem sie stammten. Entsprechend ging es bei der Bewertung allein um Wortwahl, erkennbare Präkonzepte und die Absichten der Kommentierenden. Gerade letztere waren für uns aber zum Teil gar nicht so leicht zu erkennen. Offenbar hat sich hier nämlich ein Code entwickelt, den Außenstehende gar nicht verstehen können. Wenn zum Beispiel von Goldstücken die Rede ist, komme ich jedenfalls nicht auf die Idee, dass höchst abfällig Flüchtlinge gemeint sein könnten.

Bald stellte sich heraus, dass wir uns alle offensichtlich an einen gewissen Sprachgebrauch gewöhnt haben, dessen Niveaulosigkeit wir zwar erkennen, den wir dennoch hinnehmen. Manches wäre auch bei mir fast durchgegangen. So konnte ich nicht anders, als über eine offensichtliche Beleidigung fast anerkennend zu lachen, und das nur, weil sie sprachlich ausgefeilt daherkam. Bemerkenswert fand ich auch, dass in der Session ein Kommentar, dessen Präkonzeption eindeutig rassistisch war, ob fehlender Fakälsprache fast als »okay« durchgegangen wäre.

Programmieren für Einsteiger

Auch ein blindes Huhn... Programmieren für Einsteiger beim Barcamp Köln 2017
Auch ein blindes Huhn… Programmieren für Einsteiger beim Barcamp Köln 2017

Der zweite Tag begann für mich mit einer schönen Versprechung: innerhalb von 45 Minuten das Programmieren zu erlernen. Klar, natürlich kann so eine Session nur eine Idee vermitteln. Aber die war charmant. Anhand von Scratch oder code.org lassen sich nämlich die Grundprinzipien des Programmierens im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht nachvollziehen und so auch erlernen. Sicherlich ist der Weg zum gewieften Programmierer, der mit sparsamem Code komplexe Anwendungen schreibt, noch extrem weit. Aber jeder fängt mal klein an. Und auch jedes Huhn findet mal ein Korn.

Das kleine Dance Camp beim Barcamp Köln 2017

Wer hätte das gedacht? Da endet das Barcamp Köln 2017 mit einer Runde Langsamen Walzers im Foyer der QSC AG. Tanzen auf einem Barcamp? mag sich da mancher fragen. Warum nicht? kann die Gegenfrage doch nur lauten. Das Schöne an dieser Form der Konferenz ist ja die Themenoffenheit. Es muss also nicht immer um Aspekte rund um Marketing, Unternehmensberatung, Lebenshilfe oder Internettechnik gehen. Warum also nicht auch mal tanzen?

Das müssen sich Daniel Fitzke und Sabine Schorn auch gefragt haben. Offenbar hatten die beiden erst während des Wochenendes von der gemeinsamen Begeisterung für das Tanzen erfahren. Als sie dann am zweiten Tag bei der Sessionplanung zusammen eine Dance-Session anboten, zeigten sofort so einige Interessierte amüsiert auf. Auch ich meldete mich direkt. Obgleich ich im selben Moment befürchtete, was sich dann auch bewahrheitete: Die Session landete in dem Timeslot, in dem ich mich für den Thekendienst eingetragen hatte.

Aber manchmal sind Sessionanbieter so nett und verlegen ihr Angebot einfach von dem eigentlich geplanten Raum extra in den Eingangsbereich, damit auch der Thekendienst daran teilnehmen kann. So geschehen mit eben dieser Dance-Session, an der dann doch tatsächlich nur zwei der vormals so vielen Interessent/innen teilgenommen haben: Leonie Müller und eben ich.

Salsa und Walzer im Foyer

Ein bisschen Bewegung kam gerade recht. Auch kam recht, wenigstens einmal die Komfortzone zu verlassen. Paartanz gehört nun definitiv nicht zu meinen alltäglichen Gepflogenheiten. Das letzte Mal, dass ich mich im Paartanz versuchte, liegt nun wahrlich schon viele Jahre zurück. Bei meinem obligatorischen Tanzkurs war ich jedenfalls erst circa 13 Jahre alt. Fortan habe ich es doch immer vorgezogen, mich in meinem eigenen Rhythmus auf Tanzflächen oder durch mein Leben zu bewegen.

Umso interessanter und auch beeindruckender, sich in die Rolle derjenigen wiederzufinden, die sich führen lässt. Und dabei zu realisieren, wie wenig es braucht, damit das einigermaßen funktioniert. Okay, ich habe meinem Tanzlehrer mindestens zweimal auf den Fuß getreten. Aber wie ich lernte, haben wir es hier mit einer Form von Kommunikation zu tun, bei der der sonst so wichtige Blickkontakt tatsächlich kontraproduktiv ist. Sich führen zu lassen ist doch nochmal subtiler. Bei der Salsa hat das für mich leider gar nicht funktioniert. Aber das war auch noch nie der Rhythmus, bei dem ich mit muss. Der Langsame Walzer hingegen, wer hätte das gedacht, hat richtig Spaß gemacht. Und so fand mein Wochenende einen würdigen Abschluss.


Beitragsbild: Britta Kretschmer

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