Gelebter Medienunterricht: Was ist eine Nachricht?

Am 16.12.2015 tagesaktuell in den Nachrichten: Die EU-Datenschutzgrundverordnung

Manchmal bietet einem das Leben einfach mal so eine Lehrstunde. Plötzlich steht es vor der Tür und sagt: »Hallo, heute spendiere ich dir eine Lektion«. So jüngst geschehen in unserem kleinen Unternehmen. Grundsätzlich ist das ganz schön nett vom Leben. Andere verlangen Kursgebühren für vergleichbare Inhalte. Da wir ja eigentlich selbst zu diesen anderen gehören, haben wir uns gesagt: Wenn wir auf diese Weise etwas geschenkt bekommen hat, sollten wir unsere Erkenntnisse teilen. Deshalb dreht sich heute alles um die Frage: Was ist eigentlich eine Nachricht? – Und was macht es mit Ihnen, wenn Sie selbst zur Nachricht werden?

Was hat für wen Nachrichtenwert?

In unserem Abendkurs Texten im Web 1: die Nachricht gehen wir nicht nur auf die Frage ein, wie so eine Nachricht aufgebaut ist. Wir klären vor allem auch darüber auf, was eigentlich Nachrichtenwert hat. Aus persönlicher Sicht kann sehr viel eine Nachricht wert sein. Wer gerade die Geburt seines Kindes miterlebt hat, möchte es in die Welt hinausschreien. Verwandtschaft und Freunde interessiert diese freudige Nachricht auf jeden Fall. In die Tageszeitung schafft man es damit aber auch nur mit bezahlter Geburtsanzeige oder wenn mit dieser Geburt etwas Besonderes verbunden ist: Sie sind die Herzogin von Cambridge. Ihr Kind ist das erste Neugeborene im neuen Jahrhundert. Oder: Ihr Kind hat drei Augen. Das Ganze mag zynisch erscheinen, aber stellen Sie sich mal vor, jede Geburt wäre die Titelseite großer Tageszeitungen wert. Dort wäre kein Platz mehr für irgendetwas anderes.

Die Grundfrage einer Nachricht lautet also: Ist sie für die Zielgruppe des Nachrichtenanbieters relevant? Wenn in Ihrer Stadt etwas passiert – sagen wir: die Eröffnung der langersehnten Kindertagesstätte –, werden lokale Medien darüber berichten. Überregionale Berichterstatter hingegen wissen, dass ihre Leser in München wenig Interesse an einer neuen Kindertagesstätte in Bremerhaven haben.

Wie kurz ist die Halbwertszeit einer Nachricht?

In die Zeitung von gestern lassen sich wunderbar die Fischabfälle von heute einwickeln. Das sagt eigentlich schon fast alles über die Halbwertzeit einer Nachricht. Wieder gilt die Regel: Was für Sie persönlich noch lange bedeutsam und der ständigen Erwähnung wert ist, interessiert den unbeteiligten Rest der Welt kaum länger als einen Tag. Wieder mag es zynisch erscheinen, und doch bedient dies auch Ihre eigenen Bedürfnisse. Auch Sie wollen Neuigkeiten und keinen kalten Kaffee. Oder denken Sie an die Freundin, die Ihnen ständig von ihrem immer gleichen Liebeskummer erzählt. Irgendwann möchten Sie sie fragen, ob Sie sich nicht mal was Neues einfallen lassen kann.

Nachricht ist immer an Aktualität gebunden. Die Nachricht von gestern ist heute nur noch dann eine Erwähnung wert, wenn die Geschichte irgendwie weitergeht. In dem Fall zelebrieren die großen Berichterstatter das Ganze oft über Gebühr, bis plötzlich jegliches Interesse erlischt. Als hätte die grundlegende Geschichte aufgehört zu existieren. Dabei ist die gerade noch so bedeutsame Finanzkrise noch lange nicht überwunden. Auch wirken die Folgen einer Naturkatastrophe für die Betroffenen noch lange nach. Nur die Berichterstatter sind weitergezogen. Das ist das Nachrichtengeschäft. Man muss es nicht lieben. Man sollte es nur mal grundsätzlich verstanden haben.

Wenn Sie plötzlich zur Nachricht werden

Und dann ist man plötzlich selbst Teil einer Nachricht. Als unser Telefon klingelte und sich ein ARD-Journalist meldete, waren wir echt baff. Um Datenschutz sollte es gehen. Und das, weil wir diesen Themenkomplex in unseren Kursen ansprechen. Aufhänger waren aber natürlich nicht wir, sondern die für diesen Zeitpunkt angekündigte neue EU-Datenschutzgrundverordnung: Nach vier Jahren des Ringens und harten Verhandelns haben sich die Mitgliedsstaaten der EU Mitte Dezember endlich auf eine Neufassung der aus dem Jahr 1995 stammenden Verordnung geeinigt. Und damit – das wissen wir jetzt – so einiges für uns Verbraucher getan. Zu dem Zeitpunkt des Anrufes war das allerdings noch nicht wirklich absehbar.

Die Website hat es gerichtet

Können Sie sich unsere Überraschung vorstellen? Da kommt ein überregionaler Berichterstatter und will Sie zum Teil seiner Nachricht machen. Wow. Bislang hat sich noch kein lokaler Nachrichtenanbieter für uns interessiert. Warum auch? Ja, wir sind der Überzeugung, genau das Richtige zu tun und dies auf die für uns passende Art und Weise darzubieten. Gleichsam wissen wir aber auch, dass wir noch ganz am Anfang stehen und sicherlich nicht die Einzigen sind, die Schulungen zu Fragestellungen rund um die Selbstveröffentlichung anbieten. Warum also kommt dann eine bundesweit bedeutsame Redaktion auf die Idee, ausgerechnet bei uns anzufragen? Die Antwort lautet: Die Website hat es gerichtet. Seit Jahresbeginn 2015 arbeiten wir an unseren Inhalten und deren Auffindbarkeit durch Suchmaschinen. Die Arbeit trägt nun Früchte.

Nachdem geklärt war, dass wir keine Datenschutz-Experten sind, gleichwohl wir in unseren Kursen auf dieses Thema zu sprechen kommen, luden wir das TV-Team zu unserem letzten WordPress-Abendkurs im Jahr 2015 ein. Als Teilnehmer kamen Bekannte und Freunde von uns, von denen wir wussten, dass sie sich für das Bloggen interessieren. Ein Kurs wäre für die meisten von ihnen ohnehin nötig gewesen. Abgesprochen mit dem Fernsehteam war ein kurzes Interview mit einem von uns vorweg, dann Aufnahmen während des Kurses und schließlich Kurz-Interviews mit den Teilnehmenden. Nach gut anderthalb Stunden waren wir dann wieder unter uns und brachten den Kurs noch zu Ende.

Keine Garantie für die Ausstrahlung

Als Medienprofis wussten wir: Es gibt keine Garantie für die Ausstrahlung. Die Nachricht sind nicht wir, sondern die neue EU-Datenschutzverordnung. Wenn wir überhaupt zu sehen sind, dann nur in ganz wenigen, kurzen Einstellungen. Und wenn die neue Datenschutzverordnung einen Tag alt ist, ist das Ganze keine Nachricht mehr. Aber das erklären Sie mal Ihrer Eitelkeit. Als wir am Folgetag von der frohen Botschaft der neuen Verordnung hörten, uns aber nicht in den Nachrichten sahen, war dem Profi in uns sofort klar: Wenn nicht heute, dann gar nicht mehr. Abgesprochen war aber tatsächlich ein Sendetermin erst Tage später. Dass an diesem Tag dann nichts mehr kam, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen.

Ich erwähne es trotzdem, weil plötzlich alles anders ist, wenn Sie selbst zur Nachricht werden. Da können Sie noch so viel über die Funktionsweisen wissen: Ist die eigene Eitelkeit involviert, überschallt deren Stimme schnell mal alles, was der Profi in Ihnen zu wissen glaubt. Keine Ausstrahlung zum abgesprochenen Termin. Welch Überraschung! Die Nachricht war in der Vorwoche aktuell, die Halbwertszeit längst überschritten. Und doch könnte es ja sein… Nein, könnte es nicht. Das müssen Sie erst einmal schlucken. Und in der Folge sich selbst und allen Beteiligten erklären.

Wenn die Nachricht an Ihnen vorbeigeht

Erst auf Nachfrage erfuhren wir schließlich, dass wir tatsächlich im Fernsehen zu sehen waren. Am Tag, als die Nachricht noch eine Nachricht war. Und dann nicht im Rahmen der Nachrichtensendung, die abgesprochen war, sondern bereits im Mittagsmagazin. Gesehen haben es wahrscheinlich nicht nur wir nicht. Zumal man auch schon sehr konzentriert zuschauen muss und nicht zu oft blinzeln sollte, sonst ist es wegen seiner Kürze bereits vorbei, bevor man den Anfang überhaupt wahrgenommen hat. Aber solange das Ganze noch online zur Verfügung steht, weisen wir gerne darauf hin. Und raten dazu, ab ungefähr Minute 26 mal ganz genau hinzuschauen:

Internetkurse Köln im ARD Mittagsmagazin vom 16.12.2015 (Das Video ist in der ARD Mediathek nicht mehr verfügbar)


Beitragsbild: Thorsten Schiller