
Anfang Dezember kommt mit WordPress 6.9 endlich die zweite Hauptversion des Jahres. Dann liefert WordPress das sogenannte erweiterte Template Management.
Manche nennen es auch verbessert, denn auf den ersten Blick liefert es zuvor ungeahnte Möglichkeiten. Ich habe mir das Ganze im Rahmen der Beta-Version aber schon mal genauer angeschaut – und schlage die Hände über dem Kopf zusammen.
Wobei auch ohne die zusätzliche Verwirrung, die uns das Dezember-Update bescheren wird, ist die Arbeit mit Block Themes, Templates und Patterns für Einsteiger schon schwierig genug. Das merke ich immer wieder in der Zusammenarbeit mit Kund/innen.
Update 03.12.2025: Die Änderungen in Sachen Vorlagenverwaltung wurden auf WordPress 7.0 verschoben.
Was sind WordPress Templates – und was bringt das neue Management?
Das Konzept, dass einige wenige Dateien das Erscheinungsbild aller Inhaltstypen bestimmen, ist nicht für jede/n so leicht zu verstehen. Wenn dann aber auch noch die zentralen Begriffe und ihre Bedeutung kaum voneinander zu unterscheiden sind, wird es für Einsteiger so richtig schwierig.
So viel sei jetzt schon mal gesagt: Mit dem neuen Template Management wird WordPress das nicht leichter machen.
Nehmen wir Begriffe wie Theme versus Template versus Seite. Vor den Block Themes war das zwar auch immer wieder mal eine kurze Klärung wert. Weil sich die Möglichkeit der Änderung von Templates bei herkömmlichen Themes für Einsteiger aber gar nicht so aufdrängt, reichte meist folgende kurze Unterscheidung.
Theme
Das WordPress Theme bestimmt das Erscheinungsbild der Website. Es ist also für Design und Layout verantwortlich. Dazu besteht es aus einer Reihe von Dateien, unter ihnen die Template-Dateien.
Ohne aktives Theme kann WordPress nicht existieren. Deshalb liefert WordPress immer das aktuelle Standardtheme mit.
Template
Templates sind die Vorlagen, nach denen einzelne Inhaltstypen ausgegeben werden. Dazu liefern Templates die Struktur für die Inhalte, die sie aus der Datenbank beziehen, und geben diese als HTML aus.
Templates unterliegen einer Hierarchie. Für jeden Inhaltstypen kann es ein eigenes Template geben, muss es aber nicht. Fehlt das passende Template, übernimmt ein anderes.
Inhaltstypen
Inhaltstypen sind nicht nur Seiten und Beiträge, sondern auch:
- Kategorie-Seiten
- Schlagwörter-Seiten
- Autoren-Seiten
- Datums-Seiten
- Suchergebnis-Seiten
- 404-Seite
- etc.
Jeder dieser Inhaltstypen wird nach dem Strickmuster seines Templates dargestellt.
Ob die Unterscheidung damit dann wirklich verstanden war, spielte meist gar nicht die große Rolle. Gab es an einem Template etwas zu ändern, übernahm ich das als Auftrag. Denn für das Bearbeiten der Templates eines herkömmlichen Themes braucht es auf jeden Fall PHP-Kenntnisse. Die hatten meine Kundinnen nicht, weshalb sie in der Zwischenzeit ihre Inhalte erstellten.
Nun aber mit den Block Themes kommen Kund/innen schon mal von selbst auf die Idee, an Templates herumzuschrauben. Denn grundsätzlich erscheint das Arbeiten an einem Template eines Block Themes wie das Arbeiten an den Inhalten. Ein Block hier, ein Block da – und schwupp ist alles fertig.
Könnte man meinen. Ist aber in der Tat doch ein wenig komplexer. Und erfordert eben auch das gewisse Grundverständnis. Zu dem WordPress nicht beiträgt, wenn es Begriffe so unscharf macht.
Nehmen wir für diese Unschärfe als Beispiel den Unterschied zwischen Template Pattern.
Template und Pattern
Template heißt auf Deutsch Vorlage. Unter Vorlage versteht das WordPress-Deutsch aber das, was im WordPress-Englischen Pattern heißt. Also jene vorgefertigten Block-Strukturen, die die Gestaltung von Inhalten erleichtern.
Als wäre das nicht schon missverständlich genug, finden sich unter den Patterns/Vorlagen auch die Template Parts, wobei die doch eigentlich Template-Teile sind.
Wer soll das noch verstehen – argh!
Am Ende des Tages wissen wir alle also gar nicht mehr, worüber wir eigentlich reden. Allein das macht die Arbeit schon so schwierig.
Diesen Zustand haben wir bereits jetzt. Aber nun treibt WordPress es mit dem erweiterten Template Management noch wilder. Denn nun kann es viele gleichnamige Templates geben. Und das eine, das ich vielleicht bearbeiten möchte, muss ich erst duplizieren (und im Zweifel auch lange suchen), um es überhaupt bearbeiten zu können!
Aus einem Template macht das WordPress Management viele
WordPress nennt in seinem Aufruf zur Hilfe beim Testen von Änderungen an der Vorlagenverwaltung drei wesentliche Änderungen, die durch das erweiterte Template Management entstehen:
- Vorlagenverwaltung: Ermöglicht die Verwendung mehrerer Vorlagen mit demselben Ziel-Slug. Bietet die Möglichkeit, zwischen ihnen zu wechseln, indem eine Vorlage als »aktiv« festgelegt wird.
- Theme-Vorlagen bleiben die »Quelle der Wahrheit«. Um eine Theme-Vorlage bearbeiten zu können, muss man zuerst eine Kopie davon erstellen. Dieses Template findet sich dann unter den erstellten (created) Templates und lässt sich dort bearbeiten.
- Theme-Vorlagensteuerung: Benutzer können jetzt Theme-Vorlagen deaktivieren (mit Ausnahme der essentiellen Indexvorlage).
Jonathan Bossenger, Make WordPress, Oktober 2025
Konkret bedeutet dies, dass es zukünftig im Design-Editor nicht nur die Templates des aktiven Themes zu sehen sind. Vielmehr zeigt WordPress mit dem erweiterten Template Management alle Templates, die man jemals für irgendein Block Theme erstellt hat!


Es können unter den »Created Templates« also diverse Templates für Archive, einzelne Beiträge oder 404-Seiten existieren. Und ihr einziger Unterschied ist es, dass sie mal für ein Twenty-Standardtheme oder sonst irgendein Theme erstellt wurden.
Was ihnen aber nicht auf den ersten Blick anzusehen ist – auch nicht in der Rasteransicht mit Vorschaubild. Den einzigen Hinweis auf ihre Zugehörigkeit bietet die Erwähnung des »kompatiblen Themes«.

Das wäre an sich ja noch gar nicht mal so schlimm. Immerhin könnte ich es als dezente Aufforderung verstehen, hier mal aufzuräumen.
Dummerweise lassen sich diese vielen anderen Templates immer nur für das Theme benutzen, für das sie erstellt wurden. Also auch nicht für das originale Theme, wenn man mittels Create Block Theme ein Duplikat angelegt hat. Für die aktuelle Arbeit sind diese inkompatiblen Template-Dateien deshalb nur hinderlich.
Hinderlich vor allem auch, weil diese Liste der Created Templates im Design Editor der einzige Weg ist, an die Möglichkeit der Bearbeitung heranzukommen!
WordPress Templates lassen sich nur noch mit Umweg bearbeiten
Es spielt keine Rolle, ob ich mein eigenes Theme oder das eines anderen bearbeiten möchte. Der einzige Weg, der für die Bearbeitung im Design Editor bleibt, ist der über das Duplizieren der vorhandenen Templates. Und das ist wirklich gruselig.
Zum Testen habe ich mein eigenes Theme, aber auch das Björk-Theme von Anders Norén herangezogen. Aus Letzterem habe ich zudem das Theme »My bk Björk« gemacht. Aber das ist WordPress 6.9 alles völlig egal. So oder so gilt der Leitsatz, dass die Theme-Templates die Quelle der Wahrheit und damit unveränderlich bleiben.
Mit anderen Worten: Selbst wenn es sich um mein ureigenes Theme handelt, muss ich erst eine Kopie von dem Template anlegen, das ich bearbeiten möchte. Ohne Kopie ist im Design Editor keine Bearbeitung möglich!



Im Beispiel habe ich aus der vorhandenen Startseite des Themes Björk eine Kopie namens Startseite cat gemacht. Außerdem habe ich dann noch eine Kopie der Startseite erstellt und ihr eine eigene Seitenleiste gegönnt. Entstanden ist so das Template Startseite mit cat Seitenleiste.
Zwischen den einzelnen Varianten eines Templates wechseln
Nun lässt sich zwischen insgesamt drei Varianten des Templates für die Startseite wechseln: Startseite cat, Startseite mit cat Seitenleiste und dem Original des Themes Björk (das unverständlicherweise ganz ohne schwarze Katze auskommt). Der Wechsel funktioniert allein über das Aktivieren des gewünschten oder Deaktivieren des aktiven Templates.
Einerseits ist das schon irgendwie toll. Definitiv wäre das vorher nicht möglich gewesen. Aber es bedeutet auch, dass es schnell sehr unübersichtlich wird. Weiß ich nächste Woche noch, welche meiner Kopien eigentlich die ist, an der ich zuletzt gearbeitet habe, um sie irgendwann aktiv einzusetzen?
Außerdem ist es ohnehin nicht möglich, eines der vielen anderen Templates nun für Björk einzusetzen. Also warum zum Henker muss ich mich ständig durch den Wust arbeiten? Denn die Templates lassen sich noch nicht mal vernünftig filtern.
Der einzige Filter, den WordPress mit seinem neuen Template Management zur Verfügung stellt, gilt dem Autor. Das hilft nur leider gar nicht, wenn man das kompatible Theme abfragen möchte.
Auch das ist Template Management: WordPress Templates über die Inhalte anzeigen und bearbeiten
Zu allem Übel kommt ja noch hinzu, dass das Bearbeiten der Templates auch noch an ganz anderer Stelle stattfinden kann.
Wir sprechen hier allerdings nicht über eine Neuerung von WordPress 6.9. Dass es diese Option schon länger gibt, macht sie aber auch nicht besser.
Es lässt sich nämlich das Template für alle Seiten im Rahmen der Bearbeitung einer konkreten Seite modifizieren. Oder das Template für alle Beiträge im Rahmen der Bearbeitung eines konkreten Beitrags.
So kommt man zwar nicht zwangsläufig auch an die Templates für Archive, Suchergebnisse oder die 404-Seite ran. Aber auch das Bearbeiten von Template-Teilen wie Header, Footer oder Sidebar ist auf diese Weise möglich.
Das Absurde an dieser Option ist, dass sich hier plötzlich auch die »Quellen der Wahrheit« verändern lassen. Ganz ohne Kopie vorweg, einfach so.



Wer nicht verstanden hat, wozu so ein Template eigentlich da ist, hat hier einen viel zu einfachen Zugriff auf websiteweite Veränderungen. Frust ist da doch nur vorprogrammiert!
Auf der anderen Seite haben wir Leute wie mich, denen die Arbeit schwergemacht wird durch eine nette Idee, die aber im Alltag kaum Sinn macht. Wie oft stehe ich vor einer kleinen Änderung, die ich schnell durchführen möchte, im Vergleich zu aufwändigeren Arbeiten.
Oder auch im Vergleich zu Theme-Wechseln, die ich im Wesentlichen nur auf Test-Installationen durchführe. Dort probiere ich viel aus. Ich entwickle auf einer Staging Site. Aber auf der Live-Website, da soll es doch bitte schön schnell gehen und keine Kopien meiner eigenen Templates erfordern!
Leider habe ich wenig Hoffnung, dass sich an allem bis Anfang Dezember noch viel ändern lässt.
Disclaimer: Meine Erkenntnisse habe ich durch die Arbeit mit den Beta 2 und Beta 3 Versionen von WordPress 6.9 gewonnen.
Beitragsbilder: Britta Kretschmer
