WordPress One Click Installation – Lebenserleichterung oder Murks?

Es geht doch nichts über die vielfältigen digitalen Angebote zum Zwecke der Lebenserleichterung. Völlig unabhängig von ihrer Sinnhaftigkeit stellen sie sich derartig verlockend dar, dass kaum eine/r nein zu ihnen sagen mag. Ein Beispiel sind sogenannte One Click Installer. Die meisten Hoster bieten sie an, um ihren Kunden die Installation von zum Beispiel WordPress zu erleichtern. Bestenfalls funktioniert so eine WordPress One Click Installation dann auch richtig gut. Manche liefern aber einfach nur Murks. Zumindest erschweren sie das Verstehen, wie WordPress eigentlich funktioniert. Wer später Modifikationen vornehmen will, verfängt sich schnell in Missverständnissen. Zum Beispiel, dass Installation, Datenbank und Domain untrennbar miteinander verknüpft seien. Nun, dem ist nicht so.

Einfacher ist nicht immer gut. Ganz im Gegenteil.

Wenn man den Begriff WordPress One Click Installation googelt, trifft man auf eine bunte Mischung aus Beiträgen. Viele von ihnen warnen eindringlich vor der Nutzung. Weil so manche dieser 1-Klick-Angebote zum Beispiel Sicherheitslücken aufmachen, indem sie das automatische Updaten verhindern. Andere Autoren betonen die geniale Einfachheit. Unter ihnen natürlich auch Anleitungen der Hostinganbieter, die unter der Überschrift 1-click absurderweise eine ganze Latte nötiger Klicks benennen.

Das Angebot meines Hosters habe ich in meinen Anfängen übrigens auch dankbar genutzt. Es produzierte keinen Unfug und war auch nicht auf derart easy getrimmt, dass es Dazulernen komplett verhindert hätte. Offenbar hatte ich da aber einfach Glück. Wie auch immer: Nicht jede WordPress One Click Installation liefert zwangsläufig Murks. Nur wie soll man vorher einschätzen können, worauf man sich einlässt? Allein deshalb gehöre auch ich zu der Riege, die von der Nutzung abrät. Entsprechend biete ich in meinen Kursen immer die manuelle Installation an.

Was passiert eigentlich bei so einer WordPress One Click Installation?

Gäbe es auf diese Frage eine eindeutige Antwort, wäre allen schon sehr geholfen. Je nach Hostinganbieter kann nämlich mehr passieren als das automatische Ausführen dessen, was Sie sonst manuell erledigen würden. Es kann also sein, dass sich mehr in die Installation hinschreibt, als dort hingehört. Zum Beispiel besagtes Unterbinden des automatischen Updatens. Damit auch des Schließens von Sicherheitslücken. Vielleicht landet aber auch das ein oder andere völlig überflüssige Plugin in der Installation. Von dem Sie dann nicht wissen, dass es dort gar nichts zu suchen hat. Das Problem: Sie denken, alles sei gut. Dabei liegt vieles im Argen.

Der entscheidende Punkt ist: Würden Sie anhand der offiziellen Anleitung manuell installieren, hätten Sie die volle Kontrolle. Der Spaß dauert dann zwar nicht wirklich fünf Minuten. Dafür wissen Sie aber schon von Anfang an viel über das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Das ist besonders dann interessant, wenn es zu Problemen kommen sollte. Ein Plugin haut Ihre Website komplett aus den Socken, sodass Sie nicht mehr in Ihr Backend kommen? Wer sich vor dem Hochladen das WordPress Verzeichnis angeschaut hat, deaktiviert das Plugin halt via FTP. Doch wer mittels One Click installiert hat, hat meist noch nie etwas von FTP gehört.

Was lernen Sie bei einer manuellen WordPress Installation?

Bei einer manuellen WordPress Installation lernen Sie zumindest mal das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten kennen. Ihr Ziel: Ihre neue Website, die auf Basis von WordPress funktioniert, soll unter einer bestimmten Domain erreichbar sein. Wenn es sich dabei um Ihre erste Website überhaupt handelt und Sie definitiv keine weitere Domain in Ihrem Hostingpaket verwalten wollen, können Sie die Installation natürlich im Stammverzeichnis unterbringen. Da Ihnen Ihr Hoster aber wahrscheinlich ohnehin mehr als eine Inklusiv-Domain anbietet, die Sie zukünftig vielleicht auch nutzen wollen, führen Sie die Installation besser gleich in einem Unterverzeichnis aus. So machen es im Übrigen auch die One Click Installer. Nur dass Sie das wahrscheinlich gar nicht mitbekommen.

Auch die WordPress One Click Installation nutzt die Weiterleitung ins Unterverzeichnis
Auch die WordPress One Click Installation nutzt die Weiterleitung ins Unterverzeichnis.

Wonach die Domain sucht

Solange Sie einer Domain nichts anderes sagen, schaut die in Ihr Stammverzeichnis. Dort sucht sie nach einer Datei namens index. Ob die index.php oder index.html heißt, ist der Domain grundsätzlich völlig wurscht. Im Zweifel akzeptiert sie auch eine default.htm. Hauptsache, sie findet überhaupt irgendwas, das sie aufrufen und darstellen kann. Andernfalls käme es zu einer Fehlermeldung. Mehrere Dateien desselben Namens kann es aber auch in dem Stammverzeichnis nicht geben. Also braucht es bei mehreren Domains Unterverzeichnisse. Für jede aktive oder geplante Website eines. Auf diese Weise unterteilen Sie Ihren Webspace in übersichtliche Parzellen.

Liegt die index.php Ihrer zukünftigen WordPress Website nicht im Stammverzeichnis, kann Ihre Domain diese erst darstellen, wenn Sie sie davon in Kenntnis setzen. Deshalb müssen Sie Ihre Domain in das Installationsverzeichnis schauen lassen. Dafür gibt es Einstellungsoptionen im Kundenmenü Ihres Hosters. Wie genau diese Option heißt, hängt von Ihrem Hoster ab. Deutlich machen aber alle die Unterscheidung zwischen dem Aufruf einer anderen Domain und dem Blick in ein Unterverzeichnis. Ersterer ist meist als extern bezeichnet, Letzterer als intern.

Die beteiligte Datenbank

Jede WordPress Installation braucht eine Datenbank. Beim manuellen Vorgehen legen Sie diese vor der Installation an. Und dafür reicht dann tatsächlich mal ein Klick. Die Zugangsdaten zu dieser Datenbank, die Sie nach dem einen Klick angezeigt bekommen, sollten Sie sich gut notieren. Denn die brauchen Sie während der Installationsroutine von WordPress.

Konkret handelt es sich um die Datei wp-config.php, in die WordPress diese Zugangsdaten schreibt. Das macht die wp-config.php zur Verknüpfung zwischen der fertigen WordPress Installation und der Datenbank. Die Installationsroutine hinterlegt ferner in der Datenbank die betreffende Adresse, über die WordPress aufrufbar sein soll.

Beispiel: Sie haben für Ihre neue WordPress Website ein Verzeichnis namens /wordpress_1 angelegt und die WordPress Dateien dort hineinkopiert. Nun rufen Sie die Routine auf über:

www.meinedomain.de/wordpress_1/wp-admin/setup-config.php

Dann steht in der Datenbank als Adresse, unter der die neue WordPress Website zu erreichen ist:

www.meinedomain.de/wordpress_1/

Diese Adresse gilt fortan auch für alle Inhalte, die Sie anlegen. Im Laufe der Zeit entstehen also eine Menge Links, die alle mit www.meinedomain.de/wordpress_1/ beginnen. Es sei denn, Sie ändern diese Einstellungen direkt nach der Installation. Dazu gilt es,

  1. die Domain intern in dieses wordpress1-Verzeichnis schauen zu lassen und
  2. die Angaben für die WordPress- und die Website-Adresse in den Allgemeinen Einstellungen (somit auch in der Datenbank) zu ändern. Steht dort jeweils die Hauptdomain, ist das Unterverzeichnis nicht länger Bestandteil der Adresse, mit der Sie die Website aufrufen.

Wenn die vorhandene Installation umziehen soll

In der Folge lässt sich diese Verknüpfung jederzeit modifizieren. Sagen wir, Sie sind nun mit der Bearbeitung der neuen Website fertig und wollen, dass die Domain nicht länger die alte Website zeigt. Oder Ihnen fällt verspätet auf, dass eine andere Domain für die bereits erstellten Inhalte schöner wäre. Ein Umzug ist also nötig. Wobei Umzug in beiden Fällen nicht wirklich Bewegung bedeutet, sondern nur Modifikation des Vorhandenen. Und das gilt auch, wenn es sich um eine WordPress One Click Installation handelt.

Sprich: Es braucht keinen weiteren Klick auf den One Click Installer. Es reicht, die gewünschte Domain in das entsprechende Verzeichnis weiterzuleiten und in der Datenbank die neue Adresse zu hinterlegen. Dabei müssen Sie aber beachten, dass es nun schon eine Menge mehr Links gibt als nur die WordPress- und Website-Adressen. Das Vorgehen entspricht jedenfalls immer dem Prinzip, das ich anhand des Umzugs von Sub- und zu Hauptdomain beschrieben habe.


Beitragsbild: Britta Kretschmer

2 Anmerkungen zu “WordPress One Click Installation – Lebenserleichterung oder Murks?

  • 25. März 2018 um 18:17
    Permalink

    Hi,
    toller Beitrag, ich möchte für mich selber eine WordPress One-click Installation mit meinen enthaltenen Plugins erstellen um diese nicht immer neu installieren zu müssen. Gibt es da eine Anleitung wie man das zusammenstellt und so eine One-Click erstellt. Dann weiß man ja was da installiert wird.
    Ich möchte keinen “Murcks” installieren und die Kontrolle über die Installation haben.

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