Kann ich einfach mein WordPress Theme wechseln?

WordPress Theme wechseln
Unterliegt ständigen WordPress Theme Wechseln: mein Testblog

In letzter Zeit stoße ich immer wieder auf die Frage, ob sich ein WordPress Theme wechseln lässt. Ich reagiere dann immer mit der Antwort, dass das ja gerade der Sinn von Systemen wie WordPress sei: die Trennung von Form und Inhalt, weshalb der Wechsel normalerweise unproblematisch ist. Zuletzt stellte mir nun auch eine Fachkollegin diese Frage. Als Webdesignerin benutzt sie für ihre Kunden im Allgemeinen Bezahlthemes mit umfangreichen Einstellungsoptionen. Ich hingegen arbeite tagein tagaus mit kostenfreien Angeboten, zu denen es bestenfalls noch eine Bezahlvariante gibt. In der freien Version können diese Themes meist nicht viel. Und genau das ist der Punkt: Denn je mehr so ein Theme kann, desto schwieriger gestaltet sich auch der Wechsel.

Das Dilemma mit den Theme Optionen

Ich kann das Bedürfnis nach umfangreichen Einstellungen und zusätzlichen Funktionen gut nachvollziehen. Als ich anfing, mit WordPress zu arbeiten, stieß ich direkt auf das Weaver Theme[1] – und war begeistert. Mehr Möglichkeiten der Einflussnahme, ohne selbst in den Code gehen zu müssen, hätte ich mir kaum vorstellen können. Aber nicht nur das: Das Theme hat mir zu einem grundlegenden Verständnis in Sachen WordPress verholfen, von dem ich heute noch profitiere.

Später habe ich mir bewusst gemacht, dass mit all diesen zusätzlichen Optionen auch eine Menge Ballast einhergeht. Den schleppt man immer mit sich, völlig egal, ob man ihn nun braucht oder nicht. Wie im wahren Leben, da man ja auch nicht immer den kompletten Hausstand mit sich herumträgt, sollte eine Website besser nur das an Bord haben, was sie wirklich braucht. Schon zumal die mobile Internetnutzung immer bedeutsamer geworden ist. Nicht jeder verfügt über die beste Datenübertragungsrate und unbegrenztes Übertragungsvolumen. Weniger Datenmenge, die so eine Website auf das Smartphone schickt, ist da meist mehr.[2]

Deshalb empfehle ich hier mittlerweile nur WordPress Themes, die den Kompromiss darstellen: Einerseits bieten sie wesentliche Optionen, andererseits sollten sie es damit aber auch nicht übertreiben. Schließlich sollten sie das System auch nicht ausbremsen. Gerade Einsteigern ist dieser Zusammenhang oft gar nicht bewusst.

Das WordPress Theme wechseln – eigentlich ein Klacks!

Eigentlich ist das mit dem WordPress Theme Wechseln ein Klacks: Neues Theme aussuchen, installieren, aktivieren – fast fertig! Nur fast fertig, weil man im Allgemeinen dem neuen Theme sagen muss, welches vorhandene Menü es bitte als primäres ausgeben soll. Auch kann es sein, dass das neue Theme nicht weiß, welche Widgets es in welchen Widgetbereichen ausgeben soll. Manche Themes stellen halt mehr Menüpositionen und mehr Widgetbereiche zur Verfügung. Auch muss man das Headerbild neu zuordnen. Das sollte es aber auch erst einmal gewesen sein. Alle weiteren Anpassungen zähle ich hier nicht mit. Vielmehr geht es mir darum, dass auf diese Weise eine funktionsfähige Website vorliegt. Aber selbst Farben oder per CSS ausgeblendete Elemente können durchaus im neuen Theme Anwendung finden, sofern sie mittels eines Custom CSS Plugins definiert wurden und das neue Theme die gleichen Klassen und IDs verwendet.

Soweit die Theorie. In der Praxis hängt alles davon ab, welche Themeoptionen, Funktionen oder auch eigene Templates das Vorgängertheme genutzt hat. Nehmen wir einige Beispiele:

1. (Theme)-eigene Templates

Wenn das alte Theme eigene Templates mitgebracht hat, die Sie auch genutzt haben, oder Sie eigene Templates dafür erstellt haben, kann das neue Theme damit natürlich nichts anfangen. Das kann man sich auch über die Ordnerstruktur der Installation verdeutlichen: Jedes installierte Theme erstellt im Ordner wp-content sein eigenes Verzeichnis. Das heißt wie das Theme selbst und beherbergt alle Dateien, die es braucht. Theme A kann nicht auf Dateien zugreifen und nutzen, die im Ordner von Theme B stehen. Und selbst ein Umkopieren einzelner PHP-Dateien wäre nicht zielführend, da Themes meist ihre eigene Logik nutzen. Dennoch sind grundlegende Kriterien natürlich übertragbar. Doch das ist dann schon was für Fortgeschrittene. Nun ist es aber auch die Idee des Themewechsels, dass das Website fortan in neuem Glanz erstrahlen soll. Vielleicht hat das neue Theme ja auch Templates mit an Bord, die noch viel hübscher sind als die des alten.

2. Themeeigene Widgets und Widgetbereiche

Manche Themes nutzen eigene Widgets. Die fallen mit dem Deaktivieren des Themes weg und sind damit im neuen Design nicht mehr nutzbar. Trotzdem gibt es natürlich immer noch die hauseigenen Widgets, zum Beispiel das Text– oder das individuelles Menü-Widget, mit denen sich eine ganze Menge anstellen lässt. Ebenso – wie oben bereits erwähnt – verfügen Themes über durchaus sehr unterschiedliche Widgetbereiche. Manche bringen derer ganz viele mit. Kennt das neue Theme diese Bereiche nicht, kann es dort natürlich auch nichts darstellen.

3. Das alte Theme hatte einen eigenen Slider

Bot das alte Theme die Funktion eines Beitragssliders oder auch einfach nur eines Foliensliders, ist dieser nach dem Themewechsel fort. Selbst wenn das neue Theme auch so einen Slider hat, wird er die Einstellungen des alten höchstwahrscheinlich nicht übernehmen. Also müssen Sie hier nacharbeiten oder überhaupt erst einmal per Plugin eine Sliderfunktion hinzufügen. Oder Sie verzichten einfach ganz darauf.

4. Das alte Theme hatte ein Portfolio

Wenn Ihr altes Theme die Möglichkeit eines Portfolios bereithielt, heißt das eigentlich nur, dass es die Möglichkeit der sogenannten Custom Post Types zur Verfügung gestellt hat. Also jene benutzerdefinierten Beiträge mit eigener sogenannter Taxonomie, die dafür sorgt, dass diese Beiträge getrennt von allen anderen behandelt werden können. So erscheinen die zum Beispiel im Rahmen eines eigenen Unterverzeichnisses. Das wird mit dem neuen Theme wahrscheinlich wegfallen. Die Funktion lässt sich aber wiederherstellen mittels des Plugins CPT UI. Dieses Plugin braucht allerdings einiges an Bereitschaft, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

5. Themeeigene Shortcodes

Manche Themes, besonders Bezahlthemes, bieten eine ganze Reihe sogenannter Shortcodes. Mit denen lassen sich auf einzelnen Seiten Funktions- oder Gestaltelemente einbinden. Das neue Theme wird höchstwahrscheinlich mit diesen Shortcodes nichts anfangen können und gibt sie dann einfach als Text aus. Dasselbe würde Ihnen übrigens auch passieren, wenn Sie das Plugin Contact Form 7 nutzen und dies einfach mal deaktivieren. Schon erscheint auf Ihrer Kontaktseite nur noch der CF7-Shortcode, aber nicht länger das Kontaktformular.

Langer Rede kurzer Sinn

Je mehr Ihr altes Theme kann, desto aufwändiger gestaltet sich der Themewechsel. Demgegenüber ist das WordPress Theme Wechseln von einem Standardtheme zum nächsten kein Problem. Ein bisschen ist aber immer zu tun. Je individueller Ihre Vorstellungen vom Aussehen Ihrer Website, umso mehr werden Sie anpassen müssen. Fatal wird es immer nur dann, wenn von dem Themewechsel tatsächlich auch Ihre Inhalte betroffen sind. Das passiert, wenn das alte Theme die Grundidee der Trennung von Form und Inhalt sprengt und damit einen problemlosen Wechsel nahezu unmöglich macht.

 


[1] Heutzutage gibt es im WordPress Themeverzeichnis nur Weaver Xtreme, das mir persönlich zu xtreme ist.

[2] Das dachte sich wohl auch Mr. Weaver Bruce Wampler und lagerte seine hübschesten Funktionen in Plugins aus: Weaver Show Posts (für Seiten mit ausgewählten Beiträgen) und Weaver Themes Shortcodes (unter anderem mit dem wunderbaren hide if mobile) bieten die Funktionen auch im Rahmen anderer Themes. Letzteres hat der Entwickler allerdings seit mehr als zwei Jahren nicht mehr aktualisiert.


 

Beitragsbild: Britta Kretschmer

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