Muss ich wirklich zu Facebook?

Gründer kennen diesen unternehmerischen Ratschlag: Heutzutage sei der eigene Facebook-Auftritt unumgänglich. Wer Erfolg mit dem eigenen Unternehmen haben will, könne gar nicht anders, als mit möglichst vielen Fans im Gespräch zu sein und sie zum Teilen der eigenen Inhalte zu motivieren. Aber auch Privatpersonen kommen schnell in Erklärungsnot, wenn es einmal mehr heißt: »Wie? Du bist nicht bei Facebook?«

Viel kann, nichts muss

Das mal vorweg: Niemand muss wirklich zu Facebook. Auch ist die Umstand, dass Sie sich bei dem weltweit größten Social-Media-Anbieter anmelden, nicht gleichbedeutend mit Erfolg – weder für Sie persönlich noch für Ihr Unternehmen. Doch liegen hier durchaus Chancen für Sie, beruflich und privat. So können Sie von der direkten Kommunikation mit Ihren Kunden profitieren, nicht nur in Zeiten von Friede, Freude und Eierkuchen. Gerade wenn es zu Unstimmigkeiten kommen sollte, bietet Ihnen die direkte Kommunikation viel mehr Möglichkeiten zur Intervention, als wenn unzufriedene Kunden hinter Ihrem Rücken über Sie reden.

Privat lernen Sie die (Wieder)-Kontaktaufnahme zu ehemaligen Freunden oder zu interessensgleichen neuen Bekannten wahrscheinlich im Laufe der Zeit sehr zu schätzen. Das alles setzt aber voraus, dass Sie ein Mindestmaß Freude an Kommunikation haben. Wer privat keinen Spaß an Facebook hat, sollte es gar nicht oder zumindest nicht selbst für das eigene Unternehmen nutzen. Wenn Sie dann eine/n Dritte/n einsetzen, für Sie zu facebooken, braucht es eine sehr genaue Absprache und das beständige Einbeziehen Ihres Auftragnehmers in die Belange Ihres Unternehmens.

Die Datenkrake Facebook

Dieser Tage hat Facebook seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert und damit verkündet, zukünftig noch unternehmensorientierter mit den Nutzerdaten umzugehen. Hierzulande lässt dies vielen Menschen eine eisige Gänsehaut über den Rücken laufen. Andere reagieren im Sinne des »Ich habe nichts zu verbergen!« Grundsätzlich gilt es, zwei Aspekten zu unterscheiden: Der eine hat etwas mit der Vermarktung von Werbeplätzen zu tun. Der andere bezieht sich auf die Weitergabe der Nutzerprofile und ihres Verhaltens an Dritte. Jenen, die nicht glauben, etwas zu verbergen zu haben, sind beide Aspekte tendenziell egal. Skeptiker, die wahrscheinlich auch nicht wirklich etwas zu verbergen haben, fühlen sich in ihrer Privatsphäre gestört, wenn nicht gar verletzt. Auch wenn Facebook behauptet, keine Daten an Dritte weiterzugeben – auch nicht an solche, deren Namen aus drei Buchstaben bestehen –, gehen Skeptiker vom genauen Gegenteil aus.

Nun ist das Sammeln von Daten keine Facebook-Spezialität. Es ist auch nicht eine, die ausschließlich mit Ihrer Nutzung der anderen großen Internetanbieter wie zum Beispiel Google oder Amazon zu tun hat. Die Vernetzung reicht erheblich weiter. So hinterlassen wir alle, ohne einmal selbst auf Internetangebote zugegriffen zu haben, ständig digitale Fußabdrücke. Sie gehen zum Arzt? Erhalten Rezepte? Bezahlen mit Karte? Machen bei Rabattsystemen mit? Alle diese Daten werden digital vorgehalten und übermittelt. Für sich genommen tut das nicht weh. Zusammen genommen, dann auch noch mit reichlich Phantasie interpretiert, zeichnen sie vielleicht ein Bild von Ihnen, das Sie so nicht unterschreiben würden.

Belästigung oder Serviceleistung?

Facebook sammelt nun Daten, die über Ihr Verhalten auf Facebook hinausgehen. Mit der Information, von wo sie kommen und was sie fern von Facebook interessiert, will der amerikanische Konzern Ihnen auf Ihr Verhalten hin optimierte Werbung anzeigen. Es liegt an Ihnen, sich zu fragen, ob Sie sich dadurch massiv gestört fühlen. Oder dies sogar als ausgesprochene Serviceleistung verstehen. Immerhin: Ihr Briefkasten war wahrscheinlich noch nie so werbeleer wie heutzutage. Unternehmen erkennen zunehmend, dass es viel mehr Sinn macht, Menschen Werbung für die Produkte oder Dienstleistungen anzubieten, nach denen sie aktiv gesucht haben. Wer den damit verbundenen bitteren Beigeschmack des Gläsernen, des Durchschau- und Vorhersehbaren nicht ertragen kann, sollte den Schritt zu Facebook sicherlich nicht auch noch tätigen.

Das Posten von Widerspruchserklärungen auf Facebook ist jedenfalls völlig sinnlos, da rechtlich überhaupt nicht bindend.

Siehe auch:

Facebook für Einsteiger

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